Awo-Tarifverhandlungen: Mehr Geld oder mehr Prozente für soziale Berufe?

30.03.2026


Im Tarifkonflikt bei der Arbeiterwohlfahrt (Awo) in Nordrhein-Westfalen starten Arbeitgeber und Gewerkschaft Verdi in eine entscheidende Phase – vorerst ohne neuen Druck von der Straße. Zum Auftakt der vierten Verhandlungsrunde in Düsseldorf sind nach Gewerkschaftsangaben keine weiteren Warnstreiks geplant. In den vergangenen Wochen hatten wiederholte Arbeitsniederlegungen unter anderem in Kitas und der Nachmittagsbetreuung an Grundschulen Eltern und Träger zeitweise vor organisatorische Herausforderungen gestellt.

Verdi fordert für die rund 35.000 tarifgebundenen Beschäftigten der Awo NRW eine pauschale Entgelterhöhung von 500 Euro brutto im Monat, für Auszubildende 300 Euro mehr. Zusätzlich verlangt die Gewerkschaft drei freie Tage extra – allerdings ausschließlich für Verdi-Mitglieder. Ziel sei es, insbesondere untere Einkommensgruppen zu entlasten, die laut Verdi-Verhandlungsführung spürbar unter den gestiegenen Lebenshaltungskosten leiden.

Die Arbeitgeberseite hat das als überzogen bewertete Paket mit einem Prozentangebot gekontert. In der dritten Runde legte die Awo NRW eine Gehaltserhöhung von insgesamt 5,2 Prozent in drei Schritten bei einer Laufzeit von 27 Monaten auf den Tisch, ergänzt um eine Einmalzahlung von 150 Euro. Für Auszubildende sind Verbesserungen vorgesehen. Awo-NRW-Geschäftsführer Uwe Hildebrandt lehnt die von Verdi geforderten drei zusätzlichen Urlaubstage nur für Gewerkschaftsmitglieder nachdrücklich ab, da dies eine Ungleichbehandlung der Belegschaft bedeuten würde.

Die Tarifrunde hat weitreichende Auswirkungen auf die soziale Infrastruktur in Nordrhein-Westfalen. Die Awo ist einer der größten Träger sozialer Dienstleistungen im Bundesland, mit 840 Kitas, 519 offenen Ganztagsschulen sowie Angeboten in Pflege und Seniorenarbeit. Ein Scheitern der Verhandlungen oder eine erneute Eskalation mit flächigeren Warnstreiks könnte daher erneut spürbare Folgen für Familien, Pflegebedürftige und Kommunen haben. Beide Seiten stehen nun unter Druck, in der vierten Runde eine Annäherung zu erreichen, ohne dass es zu weiteren Störungen im laufenden Betrieb kommt.

Butter billiger, Energie teurer: Preisschere in Berlin und Brandenburg öffnet sich

30.03.2026


Die Inflation in Berlin und Brandenburg hat sich im März 2026 spürbar beschleunigt, angetrieben vor allem von deutlich höheren Energiepreisen infolge des Iran-Kriegs. Nach Angaben des Amts für Statistik Berlin-Brandenburg lagen die Verbraucherpreise in Berlin 2,5 Prozent und in Brandenburg 2,8 Prozent über dem Niveau des Vorjahresmonats. Im Februar hatte die Jahresteuerungsrate in Berlin noch unter 2 Prozent gelegen, in Brandenburg bei 2 Prozent.

Als ausschlaggebenden Faktor für den stärkeren Preisauftrieb nennen die Statistiker die Entwicklung bei Energie. Im Jahresvergleich verteuerten sich Energieprodukte in Berlin um 6,7 Prozent, in Brandenburg sogar um 8,5 Prozent. Das Amt verweist darauf, dass die gesamtwirtschaftliche Teuerung merklich niedriger ausfallen würde, wenn man Heizöl und Kraftstoffe aus der Berechnung herausnähme: Dann läge die Inflationsrate bei lediglich 1,8 Prozent in Berlin und 1,9 Prozent in Brandenburg.

Überdurchschnittliche Preissteigerungen meldet die Behörde auch für alkoholische Getränke und Tabakwaren sowie für Beherbergungs- und Gaststättendienstleistungen und verschiedene sonstige Waren und Dienstleistungen. Insgesamt blieben die Nahrungsmittelpreise im Jahresvergleich dagegen weitgehend stabil, der Anstieg fiel nur gering aus. Bei einzelnen Produkten kam es sogar zu deutlichen Rückgängen, etwa bei Butter, Quark, Kartoffeln und Milch, die teils deutlich weniger kosteten als im März 2025.

Gleichzeitig zeigen die Daten eine starke Spreizung innerhalb der Lebensmittelgruppe. Obstkonserven, insbesondere Sauerkirschen und andere Steinobstkonserven, verteuerten sich deutlich und gehören zu den stärksten Preistreibern im Warenkorb. Auch Kaffee, Tee und Kakao wurden in beiden Ländern spürbar teurer. Insgesamt macht die Statistik damit sichtbar, dass die Inflationsdynamik im Hauptstadtraum derzeit vor allem von den Energiepreisen geprägt wird, während Verbraucherinnen und Verbraucher bei einigen Grundnahrungsmitteln Entlastung, bei verarbeiteten Produkten jedoch zusätzliche Belastungen spüren.