Hohe Ölpreise lenken mehr Schiffe in den Nord-Ostsee-Kanal

13.04.2026


Der Nord-Ostsee-Kanal verzeichnet im Zuge gestiegener Energiepreise einen spürbaren Anstieg des Schiffsverkehrs. Im März passierten 1.988 Schiffe die rund 100 Kilometer lange Wasserstraße zwischen Kiel und Brunsbüttel, deutlich mehr als im Februar mit 1.465 und auch etwas mehr als im März 2025 mit 1.973 Schiffen. Die Generaldirektion Wasserstraßen und Schifffahrt führt die Entwicklung auf die aktuell hohen Ölpreise zurück, die Reedereien vermehrt zur Abkürzung durch den Kanal anstelle der längeren Route um das dänische Skagen bewegen.

Die höhere Auslastung spiegelt sich nicht nur in den Durchfahrten, sondern auch in den Ladungsmengen wider. Im März 2026 wurden knapp 6,46 Millionen Tonnen Güter transportiert, rund 158.000 Tonnen mehr als ein Jahr zuvor. Bereits im Januar hatte die Ladungsmenge bei 5,94 Millionen Tonnen gelegen, im Februar bei 5,07 Millionen Tonnen. Eine typische Passage durch den Kanal dauert abhängig von der Schiffsgröße im Schnitt acht bis zehn Stunden und ermöglicht den Unternehmen damit eine Kombination aus Zeit- und Treibstoffersparnis in einem von hohen Betriebskosten geprägten Marktumfeld.

Trotz des jüngsten Zuwachses war das Gesamtjahr 2025 von einem Rückgang der Schiffsbewegungen geprägt. Zwischen Nord- und Ostsee wurden 22.262 Schiffe gezählt, nach 24.866 im Jahr 2024 – ein Minus von fast 10,5 Prozent. Gleichzeitig wurden die Schiffe im Durchschnitt größer: Die Bruttoraumzahl im Durchgangsverkehr stieg von 5.688 auf 5.750. Insgesamt wurden 2025 rund 69,5 Millionen Tonnen Ladung über den Kanal transportiert, verglichen mit knapp 75,6 Millionen Tonnen im Jahr 2024.

Zusätzlich zu den Energiepreisen prägen internationale Rahmenbedingungen den Güterstrom. Wegen der Sanktionen gegen Russland wurden 2025 nur noch rund 1,85 Millionen Tonnen von und zu russischen Häfen über den Nord-Ostsee-Kanal abgewickelt, gegenüber 14,22 Millionen Tonnen im Jahr 2021. Vor diesem Hintergrund gewinnt der Kanal als strategische, kostensparende Route für andere Verkehre weiter an Bedeutung und bleibt eine zentrale Infrastruktur für den europäischen und internationalen Seeverkehr.

Oberleitungsdefekt bei Bardowick bringt ICE-Verkehr durcheinander

04.05.2026


Ein gerissener Fahrdraht hat am Mittag den Bahnverkehr im Norden Deutschlands erheblich beeinträchtigt. Nahe Bardowick bei Lüneburg prallte ein ICE auf dem Weg von Hamburg nach München gegen eine herunterhängende Oberleitung. In dem betroffenen Zug, dem ICE 589, sitzen nach Angaben der Bundespolizei rund 460 Reisende fest. Verletzt wurde nach bisherigen Erkenntnissen niemand.

Nach ersten Ermittlungen bemerkte der Lokführer etwa 500 Meter nordwestlich des Bahnhofs Bardowick auf Höhe der Straße Witwenkamp, dass die Oberleitung in den Fahrbereich ragte, und leitete umgehend eine Vollbremsung ein. Da die Oberleitung unter einer Spannung von etwa 15.000 Volt steht, besteht nach Einschätzung einer Sprecherin der Deutschen Bahn potenziell Lebensgefahr im unmittelbaren Bereich des Schadens. Die Passagiere sollen über einen anderen Zug evakuiert werden; wie lange dies dauern wird, ist laut Bundespolizei noch unklar.

Der Vorfall führt im Fernverkehr auf der wichtigen Nord-Süd-Achse zu erheblichen Störungen. Züge zwischen Hamburg und Berlin werden aktuell über Hannover umgeleitet, was zu längeren Fahrzeiten und Verspätungen führt. Auch der Regionalverkehr ist betroffen: Die Metronom-Linien RE3 und RB31 verzeichnen auf der Strecke Hamburg–Lüneburg–Uelzen massive Verspätungen und Teilausfälle. Zur Entlastung wurde ein Schienenersatzverkehr mit Bussen eingerichtet.

Die Ursache für den Oberleitungsschaden ist bislang ungeklärt. Spezialteams der Bahn und Einsatzkräfte der Bundespolizei sind vor Ort, um die Lage zu sichern und die Evakuierung der Fahrgäste vorzubereiten. Reisende werden gebeten, sich vor Fahrtantritt über aktuelle Abfahrts- und Ankunftszeiten zu informieren und mehr Zeit für ihre Verbindungen einzuplanen.