KI-gestützte Simulation: Wie Klimawandel Europas Wälder bis 2100 verändert

10.03.2026


Eine neue internationale Studie unter Leitung der Technischen Universität München (TUM) prognostiziert deutlich zunehmende Waldschäden in Europa bis zum Jahr 2100. Selbst im optimistischsten Szenario einer Erwärmung von knapp unter zwei Grad Celsius erwarten die Forschenden einen Anstieg der jährlich geschädigten Waldfläche von derzeit etwa 180.000 auf rund 216.000 Hektar. Im pessimistischsten Fall mit einer Erderwärmung von etwas mehr als vier Grad Celsius könnte sich die geschädigte Fläche sogar mehr als verdoppeln und bis zu 370.000 Hektar jährlich erreichen.

Das Forschungsteam um Rupert Seidl, Professor für Ökosystemdynamik und Waldmanagement an der TUM, hat erstmals flächendeckend berechnet, wie Waldbrände, Stürme und Borkenkäferbefall Europas Wälder in den kommenden Jahrzehnten verändern könnten. Die im Fachmagazin "Science" veröffentlichte Studie basiert auf Waldsimulationen für 13.000 Orte in Europa, die mit Satellitendaten zu Waldstörungen kombiniert wurden. Als Vergleichsperiode dienten die Jahre 1986 bis 2020, in denen bereits ungewöhnlich viele Waldschäden auftraten.

Die regionalen Auswirkungen unterscheiden sich deutlich: Wälder in West- und Südeuropa werden laut der Studie am stärksten unter den neuen Klimabedingungen leiden, die vor allem das Auftreten und die Ausbreitung von Waldbränden begünstigen. In Mitteleuropa, wo in den letzten Jahren bereits dramatische Schäden aufgetreten sind, werden weiterhin Stürme und Borkenkäfer die Hauptprobleme darstellen. Auch Österreich ist betroffen, insbesondere im Flach- und Hügelland sowie in Regionen wie dem Wald- und Mühlviertel oder dem Alpenvorland.

Die Studie hebt die Bedeutung dieser Störungen für Politik und Gesellschaft hervor, da sie beeinflussen, wie viel Kohlenstoff Wälder zukünftig speichern können, wie viel Nutzholz sie liefern und welche Arten in ihnen leben. Die Forschenden arbeiten mit einem KI-gestützten Simulationsmodell, das mit 135 Millionen Datenpunkten trainiert wurde und präzise Aussagen zu unterschiedlichen regionalen Entwicklungen ermöglicht. Die Ergebnisse zeigen, dass selbst bei Erreichung des Zwei-Grad-Ziels mit erhöhten Waldschäden zu rechnen ist.

Von Moskau und Thailand aus gesteuert: Ermittler nehmen rechtsextremen Verlagsunternehmer ins Visier

14.03.2026


Die Staatsanwaltschaft Karlsruhe geht mit einer großangelegten Razzia gegen ein mutmaßlich europaweit agierendes rechtsextremes Verlagsnetzwerk vor. Im Zentrum der Ermittlungen steht der Verlag „Der Schelm“, der seit Jahren antisemitische Schriften, Nachdrucke aus der Zeit des Nationalsozialismus sowie rassistische und den Holocaust leugnende Veröffentlichungen über einen Onlineversand vertreibt. Die Durchsuchungen begannen am Mittwochmorgen zeitgleich in mehreren Bundesländern sowie im Ausland und richten sich gegen insgesamt acht Beschuldigte.

Nach Angaben der Staatsanwaltschaft werden sechs Männern und zwei Frauen deutscher Herkunft vorgeworfen, zwischen 2022 und 2024 in mindestens 488 Fällen gemeinschaftlich volksverhetzende Druckwerke hergestellt, verbreitet, geliefert und gelagert zu haben. Zu den Beschuldigten zählen unter anderem zwei Druckereibesitzer, ein Grafiker, ein IT-Spezialist und der Inhaber eines Business-Centers. Ein Druckereibesitzer soll Beihilfe geleistet haben. Hauptbeschuldigter ist der aus Leipzig stammende Verlagsinhaber Adrian P., der seit Jahren im Ausland lebt und laut früheren Angaben bereits einmal einer Auslieferung entgangen sein soll.

Bundesweit rückte das Landeskriminalamt Baden-Württemberg mit Unterstützung örtlicher Polizeikräfte aus. Durchsucht wurden Wohnungen und Geschäftsräume in Baden-Württemberg, Bayern, Brandenburg, Nordrhein-Westfalen und Sachsen, darunter nach rbb-Informationen Standorte in Leipzig, Pforzheim, Neuenbürg, Bottrop, Schönwald und Wertheim. Parallel dazu koordinierten die Karlsruher Ermittler Maßnahmen im Ausland: In Polen wurde eine Druckerei überprüft, in Spanien nahmen sich Beamte eine Lagerhalle sowie weitere Privat- und Firmenräume vor.

Die Einsatzkräfte stellten umfangreiche Beweismittel sicher, darunter gedruckte Schriften, Bestelllisten, Propagandamaterial, NS-Devotionalien sowie Computer und Datenträger. Der Verlag „Der Schelm“ bietet nach übereinstimmenden Recherchen seit mindestens einem Jahrzehnt rund 100 Nachdrucke antisemitischer Bücher und Schriften aus der NS-Zeit sowie weitere in Deutschland verbotene Titel an. Ermittler sehen in den aktuellen Maßnahmen einen weiteren Schritt, die Vertriebsstrukturen des Netzwerks zu zerschlagen und die Verantwortung der mutmaßlichen Betreiber strafrechtlich aufzuarbeiten.