Newcastle-Seuche zwingt Brandenburgs Geflügelbranche in den Krisenmodus

03.04.2026


Der massive Ausbruch der Newcastle-Krankheit hat Brandenburgs Geflügelwirtschaft in eine Ausnahmesituation versetzt. Nach Angaben der Behörden mussten bislang rund drei Millionen Stück Geflügel getötet werden, der Landkreis Dahme-Spreewald im Südosten des Bundeslands ist mit etwa 1,6 Millionen Tieren am stärksten betroffen. „Einen Seuchenausbruch dieser Größenordnung hatten wir in der Geschichte des Landkreises noch nicht“, sagte Stefan Wichary, Beigeordneter und Dezernent für Veterinärwesen und Verbraucherschutz in Dahme-Spreewald, der Deutschen Presse-Agentur. Er rechnet damit, dass die Bekämpfungsmaßnahmen mindestens bis Ende Mai andauern werden.

Insgesamt wurden bislang 16 Ausbrüche der atypischen Geflügelpest – wie die Newcastle-Krankheit ebenfalls genannt wird – in Brandenburg registriert. Neben Dahme-Spreewald sind auch die Landkreise Oder-Spree, Spree-Neiße und Märkisch-Oderland betroffen. In Oder-Spree müssen allein 377.000 Tiere getötet werden. Die besonders hohe Zahl an gekeultem Geflügel geht vor allem auf Ausbrüche in drei Großbetrieben zurück, wie Wichary erläuterte. In Dahme-Spreewald konzentrieren sich die Fälle insbesondere auf Bestensee und Königs Wusterhausen, dort wurde ein Krisenstab eingerichtet.

Die Newcastle-Krankheit ist eine hochansteckende Virusinfektion, die Hühner und Puten besonders stark trifft. Das Friedrich-Loeffler-Institut hat den Erreger bereits bei über 240 Vogelarten nachgewiesen. Die Symptome ähneln denen der Vogelgrippe und reichen von Augenentzündungen und Atemstörungen über Durchfall bis hin zu Lähmungen und Kopfschiefhaltung. Jüngere Tiere können innerhalb von drei bis sieben Tagen vollständig verenden, ganze Herden können ausgelöscht werden. In Deutschland war die Tierseuche zuletzt vor rund 30 Jahren aufgetreten, seither gilt für Geflügelhalter eine Impfpflicht.

Trotz dieser Impfpflicht ist bislang unklar, wie das Virus in die betroffenen Betriebe gelangen konnte. Die Tierärzteschaft arbeitet unterdessen im Krisenmodus. „Die Tierärzte sind sieben Tage die Woche im Einsatz“, sagte Wichary. Die Kontrollen in betroffenen und in weiteren Geflügelhaltungen seien extrem aufwendig. Teams müssen Ställe in vollständiger Schutzausrüstung betreten und sich nach jedem Einsatz umfassend desinfizieren, bevor sie zum nächsten Betrieb fahren. Die Behörden gehen davon aus, dass die intensive Bekämpfung und Überwachung noch Wochen in Anspruch nehmen wird.

Tesla verpasst Analystenziele und baut auf Preisdruck durch zertifizierte Gebrauchtwagen

05.04.2026


Tesla hat mit seinen Zahlen zum ersten Quartal sowohl bei Elektroautos als auch im Energiebereich die Erwartungen der Analysten verfehlt – und reagiert operativ mit stärkerem Fokus auf den Gebrauchtwagenmarkt. Der US-Konzern meldete 358.023 ausgelieferte Elektrofahrzeuge und blieb damit deutlich unter der FactSet-Konsensschätzung von rund 381.000 Einheiten sowie unter einer von Tesla selbst zusammengetragenen Analystenerwartung von 365.645 Fahrzeugen. Zwar lagen die Auslieferungen damit 6 Prozent über dem schwachen Vorjahresquartal, doch die Börse zeigte sich unbeeindruckt: Die Aktie fiel im frühen Handel um fast 4 Prozent und hatte bereits vor dem Bericht seit Jahresbeginn rund 15 Prozent verloren.

Auch im Energiespeichergeschäft zeigte Tesla Schwäche. Das Unternehmen setzte im ersten Quartal 8,8 Gigawattstunden Energiespeicher ab – rund 39 Prozent weniger als von Analysten erwartet und der niedrigste Wert seit dem dritten Quartal 2024, als 6,9 Gigawattstunden erreicht wurden. Damit gerät ausgerechnet jenes Segment unter Druck, das zuletzt als Wachstumstreiber gegolten hatte. Während Investoren vor allem auf langfristige Pläne in den Bereichen Künstliche Intelligenz, Robotaxis und humanoide Roboter blicken, bleibt das Kerngeschäft klar bestimmend: Allein Elektrofahrzeuge steuerten im vergangenen Jahr 69,5 Milliarden US‑Dollar zum Umsatz bei.

Operativ steht Tesla vor einem Nachfragedilemma. Der Konzern produzierte im Quartal 408.383 Fahrzeuge und schuf damit einen deutlichen Abstand zu den Auslieferungen – ein Hinweis auf anhaltende Bestandsaufbauten. In den USA fällt zudem der Wegfall der früheren 7.500‑Dollar‑Steuergutschrift für E‑Autos ins Gewicht, während Vorbehalte gegenüber Reichweite und Ladezeiten bestehen bleiben. Gleichzeitig ziehen sich große Wettbewerber wie Ford und General Motors in Teilen aus dem Elektroautomarkt zurück. Branchenbeobachter sehen darin die Chance für Tesla, seinen US‑Marktanteil wieder auszubauen, zumal Importmodelle aus China aufgrund von Zöllen derzeit kaum Aussicht auf Marktzugang haben.

Um die Preishürde für viele Käufer zu senken und die schwächere Nachfrage bei Neuwagen zu kompensieren, baut Tesla nun den Vertrieb zertifizierter Gebrauchtwagen aus. In eigenen Stores bietet das Unternehmen unter anderem gebrauchte Model 3 und Model Y an, teils zu Preisen unter 25.000 Dollar – deutlich unterhalb des rund 50.000‑Dollar‑Basispreises für neue Allradvarianten und unter dem branchenweiten Durchschnittspreis neuer E‑Autos von etwa 60.000 Dollar. Die Fahrzeuge werden nach Unternehmensangaben von Tesla‑Technikern geprüft und aufgearbeitet und mit einer eingeschränkten Garantie verkauft. Damit nimmt Tesla zwar eine mögliche Kannibalisierung des Neuwagengeschäfts in Kauf, signalisiert aber zugleich, dass das klassische Auto‑ und Gebrauchtwagengeschäft weiterhin im Zentrum steht – trotz des wiederholten Hinweises von CEO Elon Musk, Tesla sei längst mehr als ein reiner Autobauer.