UNO-Menschenrechtschef mahnt: Krieg darf kein Mittel der Diplomatie sein

26.03.2026


In Genf hat der UNO-Hochkommissar für Menschenrechte, Volker Türk, eindringlich vor einer weiteren Eskalation des Iran-Kriegs gewarnt. In einer Dringlichkeitsdebatte des UNO-Menschenrechtsrats sagte der Österreicher, der Konflikt berge das Potenzial, sich jederzeit von einem regionalen zu einem globalen Krisenherd zu entwickeln. Dieser Krieg habe eine „beispiellose Kraft, Länder über Grenzen hinweg und auf der ganzen Welt darin zu verstricken“, betonte Türk. Die komplexe Dynamik könne nationalen, regionalen und globalen Erschütterungen Vorschub leisten – mit „verheerenden Folgen für die Zivilbevölkerung und die Menschen überall“.

Besondere Sorge bereitet den Vereinten Nationen die Lage in der Straße von Hormus, einer der zentralen Seehandelsrouten für Energie- und Grundversorgungsgüter. Nach Türk sind dort Öl, Nahrungsmittel, Medikamente und Düngemittel von Blockaden betroffen. Eine anhaltende Unterbrechung der Schifffahrt in der Meerenge könnte demnach Hunger- und Gesundheitskrisen nach sich ziehen, vor allem in Ländern mit niedrigen Einkommen, die in besonderem Maß von Importen abhängig sind. Damit rückt der Konflikt über die unmittelbare Kriegsregion hinaus in den Fokus von Versorgungssicherheit und globaler wirtschaftlicher Stabilität.

Türk verurteilte in Genf Angriffe auf zivile Infrastrukturen im Iran ebenso wie Raketen- und Drohnenangriffe des Iran und der von Teheran unterstützten Hisbollah-Miliz auf Israel. Gleichzeitig mahnte er, der Krieg dürfe „nicht wieder zu einem Instrument der internationalen Beziehungen“ werden. Vor dem Hintergrund wachsender Spannungen warnte der Hochkommissar vor Versuchen einzelner mächtiger Staaten, das multilaterale System zu schwächen. In einer solchen Situation, so Türk, müsse die „große Mehrheit“ der Staaten das bestehende Regelwerk und die internationale Zusammenarbeit aktiv verteidigen.

Der UNO-Beamte rief alle Länder mit Einfluss auf die Konfliktparteien dazu auf, ihren politischen Hebel zu nutzen, um auf ein Ende der Kämpfe hinzuwirken. Der iranische Botschafter Ali Bahreini wandte sich zugleich mit einem eigenen Appell an Nachbarstaaten und forderte sie auf, eine gemeinsame Front gegen Israel zu bilden. Die internationale Gemeinschaft steht damit vor der Aufgabe, zwischen konkurrierenden politischen Interessen und dem Anspruch auf kollektive Sicherheitsstrukturen zu vermitteln – in einem Konflikt, dessen Ausgang weitreichende Konsequenzen für regionale Stabilität, den Welthandel und die humanitäre Lage haben dürfte.

Rohstoffsicherheit: Berlin setzt auf australische Seltene Erden

01.04.2026


Deutschland versucht, seine Versorgung mit strategisch wichtigen Rohstoffen zu stabilisieren und beteiligt sich dafür an einem Seltene-Erden-Projekt in Australien. Über den staatlichen Rohstofffonds fließen 50 Millionen Euro in das sogenannte Nolans-Projekt des Unternehmens Arafura Rare Earths, wie das Bundeswirtschaftsministerium in Berlin mitteilte. In der Mine nördlich von Alice Springs sollen die Metalle Neodym und Praseodym gewonnen werden.

Beide Elemente gelten als zentral für zentrale Industriezweige, insbesondere für die Energiewende und die Elektromobilität. Neodym und Praseodym werden für Hochleistungsmagnete benötigt, die in Elektromotoren von E-Autos und in Generatoren von Windkraftanlagen verbaut werden. Deutschland ist bei diesen Metallen bislang vollständig auf Importe angewiesen.

Mit der Beteiligung verfolgt die Bundesregierung das Ziel, den Zugang der deutschen Industrie zu strategischen Rohmaterialien langfristig abzusichern. Wirtschaftsministerin Katherina Reiche (CDU) erklärte, es gehe darum, den Zugriff deutscher Unternehmen auf diese wichtigen Rohstoffe zu gewährleisten. Der Rohstofffonds soll dazu beitragen, Lieferketten zu diversifizieren und Abhängigkeiten von einzelnen Bezugsquellen zu reduzieren.

Das Engagement in Australien reiht sich in einen breiteren politischen Ansatz ein, zentrale Vorprodukte für Schlüsseltechnologien abzusichern. Für die Bundesrepublik steht dabei nicht nur die Versorgung der heimischen Auto- und Energiebranche im Vordergrund, sondern auch die Wettbewerbsfähigkeit des Industriestandorts insgesamt. Mit der Investition in das Nolans-Projekt setzt Berlin auf eine Partnerschaft mit einem rohstoffreichen, politisch stabilen Lieferland.