
Die Bundeswehr treibt ihre Drohnenaufrüstung mit hohem Tempo voran und stellt die geplante Brigade in Litauen in den Mittelpunkt der Beschaffungen. Kern des Vorhabens ist der großflächige Einsatz sogenannter Loitering Munition, im Militärjargon häufig als Kamikaze-Drohnen bezeichnet. Diese bewaffneten Flugkörper kreisen über einem Zielgebiet, bis ein Operator den Angriff freigibt und die Drohne entweder eine Sprengladung abwirft oder sich selbst auf das Ziel stürzt. Ziel der Bundesregierung ist es, die Systeme als neue Schlüsselfähigkeit zu etablieren und sie bis 2027 an der NATO-Ostflanke einsatzbereit zu machen.
Über den Haushaltsausschuss des Bundestags soll in Kürze ein weiterer Milliardenauftrag an den Düsseldorfer Rüstungskonzern Rheinmetall gebilligt werden. Bereits zuvor waren erste Tranchen an die deutschen Start-ups Helsing aus München und Stark Defence aus Berlin vergeben worden. Nach Angaben von Nachrichtenagenturen beläuft sich der Umfang dieser ersten Verträge zusammen auf rund 536 bis 540 Millionen Euro, wobei der ursprünglich größere Finanzrahmen politisch gedeckelt und an zusätzliche parlamentarische Kontrolle geknüpft wurde. Insgesamt rechnen alle drei Unternehmen – Helsing, Stark Defence und Rheinmetall – mit Aufträgen in Höhe von jeweils mehreren Hundert Millionen Euro mit Erweiterungsoptionen in den Milliardenbereich.
Die militärische Logik hinter dem Projekt speist sich maßgeblich aus den Erfahrungen des Ukraine-Kriegs, in dem Drohnen das Gefechtsfeld zunehmend prägen. Die Bundeswehr sieht in Loitering Munition ein Mittel, Ziele auf größere Distanz zu bekämpfen, ohne eigene Soldaten direkt zu gefährden. Die Systeme sollen unterschiedliche Einsatzprofile abdecken, technologische Konkurrenz zwischen mehreren Anbietern sichern und zugleich die Abhängigkeit von einzelnen Herstellern reduzieren. Helsing liefert mit dem katapultgestarteten Modell HX-2 ein System, das laut Unternehmensangaben Ziele in großer Entfernung angreifen kann; Stark Defence wirbt für sein System „Virtus“ mit hoher Reichweite und KI-gestützter Technologie. Die Drohnen sollen zudem so ausgelegt sein, dass sie gegen elektronische Störmaßnahmen robuster werden.
Politisch bleibt die Aufrüstung dennoch umstritten. Berichte über Probleme bei der Treffsicherheit in früheren Tests nähren Zweifel an der Leistungsfähigkeit einzelner Systeme. Zusätzliche Brisanz erhält das Projekt durch die Beteiligung des US-Investors Peter Thiel an Stark Defence. Thiel, der in den USA als Unterstützer des früheren Präsidenten Donald Trump gilt, hält einen Anteil im einstelligen Prozentbereich. Kritiker im politischen Raum hatten Fragen nach Einflussmöglichkeiten und sicherheitspolitischer Sensibilität der Beteiligungsstruktur aufgeworfen. Das Verteidigungsministerium verweist hingegen darauf, dass Thiel nach bisheriger Darstellung keinen Zugriff auf kritische Unternehmensentscheidungen habe und sieht die wesentlichen Bedenken als adressiert an. Die Bundesregierung hält damit an ihrer Linie fest, die Fähigkeiten der Bundeswehr in Litauen trotz offener Diskussionspunkte zügig auszubauen.

Die europäischen Aktienmärkte sind zum Wochenauftakt deutlich unter Druck geraten. Nach dem vorläufigen Scheitern der direkten Friedensverhandlungen zwischen den USA und dem Iran und der von US-Präsident Donald Trump angekündigten Seeblockade in der Straße von Hormus weiteten die Leitindizes ihre Verluste im frühen Handel aus. Der Eurozonen-Leitindex Euro Stoxx 50 fiel rund eineinhalb Stunden nach Handelsstart um 0,98 Prozent auf 5.868,19 Punkte, der DAX gab um 0,97 Prozent auf 23.572,06 Zähler nach.
Die jüngste Zuspitzung der Lage im Persischen Golf treibt die Ölpreise spürbar nach oben: In der Nacht auf Montag stieg der Preis für ein Barrel der Nordseesorte Brent zur Lieferung im Juni wieder über die Marke von 100 US‑Dollar. Die Verteuerung von Energie hatte bereits an den asiatischen Börsen Spuren hinterlassen und setzt nun auch die europäische Notierung unter Druck. Analyst Frank Sohlleder vom Handelshaus ActivTrades sprach von einem „explosiven geopolitischen Gemisch“ mit massiven Risiken; die Straße von Hormus bleibe als zentrales Nadelöhr unter Kontrolle Teherans blockiert, während die US‑Administration ihrerseits mit aggressiven Blockaden drohe.
Auslöser der jüngsten Spannungswelle waren erfolglose direkte Gespräche zwischen Washington und Teheran in der pakistanischen Hauptstadt Islamabad. Für diesen Montag kündigte das US‑Militär auf Trumps Anordnung eine Blockade von Schiffen an, die iranische Häfen in der Straße von Hormus anlaufen oder von dort auslaufen. Die Passage von Schiffen ohne iranischen Start- oder Zielhafen solle laut US‑Militär nicht beeinträchtigt werden. Trump will damit verhindern, dass Iran Transitgebühren für die Meerenge erhebt und das Land zugleich von Öleinnahmen abschneiden. Teheran reagierte mit scharfer Rhetorik: Der Sprecher des Sicherheitsausschusses im iranischen Parlament, Ebrahim Rezaei, bezeichnete die Ankündigung auf der Plattform X als Bluff und warnte, eine solche Blockade würde als Militäroperation gewertet. Die Revolutionsgarden erklärten, ein Nähern von Militärschiffen an die Straße von Hormus würde als klarer Verstoß gegen die Waffenruhe angesehen.
Vor diesem Hintergrund agieren Investoren an den europäischen Märkten vorsichtig bis defensiv. Zwar rechnen viele Marktteilnehmer laut Sohlleder damit, dass beide Seiten „zähneknirschend“ an den Verhandlungstisch zurückkehren, doch die akute Gefahr einer weiteren Eskalation gilt als hoch. Neben den geopolitischen Risiken belasten auch unternehmensspezifische Faktoren einzelne Werte im DAX und MDAX: Am DAX‑Ende standen Deutsche Telekom nach einem Analystenkommentar der US‑Bank JPMorgan mit einem Minus von 2,3 Prozent, da über den Aussichten des US‑Geschäfts laut Analyst Akhil Dattani „Wolken“ hingen. Im MDAX zählten Nemetschek mit einem Kursrückgang von knapp sieben Prozent zu den größten Verlierern, nachdem die Großbank UBS die Aktien zum Verkauf empfahl und Analyst Michael Briest auf Risiken langjähriger Verträge des Bausoftware-Anbieters hinwies.